Forumtheater mit Text

Forumtheater Januar 2017

Vom 15.-19. Januar 2017 waren 23 Jugendliche in der HÖB zu einem Forumtheater-Workshop. Am Ende der Woche stand die Präsentation der erarbeiteten Themen und Szenen. Diese fand in der Oberschule Rodenkirchen. Die Nordwest-Zeitung berichtet am 21.01.2017.

Einen lebendigen Eindruck vermittelt auch ein kleines Video, dass unter folgendem Link http://www.nwzonline.de/videos/jugendliche-lernen-zivilcourage-auf-der-buehne_a_31,2,1024260918.html auf der online-Ausgabe der NWZ zu finden ist.

 

Nie mehr wegsehen bei Unrecht oder Mobbing

Henning Bielefeld

Rodenkirchen Ein Blinder ist schon ein armer Willi. Ein Opfer eben. Was kann so einer erwarten, wenn er Jugendliche um Hilfe bittet, weil er sich auf eine Parkbank setzen möchte? Klar eigentlich, dass die Sehenden den Blinden so positionieren, dass er auf den Hintern fällt. Und klar auch, dass sie es total witzig finden.

Damit sich der Spaß auch finanziell lohnt, klauen die beiden dem Blinden noch das Portemonnaie. Und daneben sitzt ein Zeitschriftenleser und tut so, als wenn nichts wäre. Wo bleibt da die Zivilcourage?

Genau um diese Frage geht es beim Forumtheater, das am Freitag zum ersten Mal an der Oberschule Rodenkirchen zu erleben war. Forumtheater bedeutet, dass das Publikum nicht passiv bleibt, sondern eingreift, wenn eine Situation außer Kontrolle zu geraten droht. „Forumtheater ist eine Probe für die Wirklichkeit“, sagt der Theaterpädagoge Norbert Knitsch.

Er ist an der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte in Papenburg tätig, wo er zusammen mit seinem Kollegen Alexander Darányi Schülergruppen in Seminaren darauf vorbereitet, Zivilcourage zu zeigen. „Es geht darum, die Ohnmacht zu überwinden, ohne selbst zum Täter zu werden“, sagt Norbert Knitsch. „Das kann man trainieren.“

Die Klasse 9 a von Henning Reimers hat es trainiert. Von Montag bis zum frühen Freitagmorgen waren die 23 Schüler in der Bildungsstätte. Henning Reimers versucht erst gar nicht den Eindruck zu erwecken, als ob die Schüler von Anfang an begeistert gewesen wären. Wer steht schon gern auf der Bühne?

Doch kaum waren sie in Papenburg, nahmen Norbert Knitsch und Alexander Darányi sie ran. Als erstes mussten sie ihren Namen sagen und dazu eine charakteristische Bewegung vollführen. Nach und nach wurden die Schüler lockerer und begannen, eigene Szenen zu entwickeln: die mit dem Blinden zum Beispiel. In anderen Szenen ging es um Ausländerfeindlichkeit, Belästigung oder alltägliches Generve an der Supermarktkasse.

Der Clou: Mitten im Konflikt bricht die Szene ab, und die Zuschauer sind gefordert, eine Lösung zu finden. In der Szene mit dem Blinden wird der Zeitschriftenleser gleich vier Mal ausgewechselt: Ein Jugendlicher filmt die Szene mit seinem Smartphone und vertreibt so die Täter, ein anderer ruft mit seinem Handy die Polizei herbei, ein dritter greift ein, bevor es zum Konflikt kommt, der vierte packt die Täter.

Die Zuschauer kommen aus der Parallelklasse – sie war im November in Papenburg – und aus den siebten Klassen. Es ist das erste Mal, dass die Szenen in der Schule aufgeführt werden; bislang wurden sie in Papenburg gespielt.

Der öffentliche Auftritt macht die Schüler selbstbewusster. Zudem fördert er die Klassengemeinschaft, sagt die Schulsozialarbeiterin Gunda Rozema, die auch mit in Papenburg war.

Und einen weiteren Vorteil streicht Gunda Rozema heraus, die selbst ausgebildete Theaterpädagogin ist: In der Schulsozialarbeit kann sie Konflikte nach diesem Muster besser lösen als, wie bisher, durch Gespräche am runden Tisch. Schüler spielen ihre Konflikte vor – und es findet sich immer ein anderer Schüler, der eingreift und eine Lösung präsentieren kann.